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grand st bernard 1/2007
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5.10.2009, neu erschienen, von christine kopp, grafik und satz lisa behmel, illustriert mit fotomontagen von alex luczy
Rezension Neue Zürcher Zeitung 20.11.2009
Schlüsselstellen des Lebens, Geschichten aus den Bergen

fin. _ Die Schlüsselstelle – ein Wort, das zum festen Wortschatz von Alpinistinnen und Alpinisten gehört und gemeinhin mit technischer Schwierigkeit, ja gar heldenhaftem Ringen in Fels und Eis assoziiert wird. Dass es in der Bergsteigerei aber ein viel weiteres Spektrum an Schlüsselstellen gibt, zeigt die Alpinjournalistin Christine Kopp in ihrem neuen Buch «Schlüsselstellen – 49 Geschichten aus den Bergen». Erklärte Absicht des kleinen Bandes ist es, einen «anderen Blick auf die Berge» zu vermitteln. Ein Unterfangen, das Kopp gelingt: Sie führt in ihrer gewohnt befreiten Sprache die Leserschaft quer durch tatsächliche und metaphorische Schlüsselstellen des ganz alltäglichen Alpinistenlebens. Und bildet damit einen erfrischenden Kontrapunkt zu den Bergen von Büchern, die von immer neuen Höchstleistungen in der professionellen Liga der Top Alpinisten berichten. Zugute kommt dem Band in allen 49 Fällen Kopps Sprachwitz und ihr untrügliches Gespür für das Zusammenspiel von Mensch und Berg: Sei es ein asiatischer Tourist, der auf dem Jungfraujoch einen Eiszapfen in einen Papierkorb wirft, das poetische Schildern der «Ehrfurcht vor der Grösse der Nacht» auf einer Vollmondtour oder die selbstironische
Auseinandersetzung mit Geschlechterfragen am Berg – die kurzen Erzählungen wirken immer ehrlich und direkt, nie gekünstelt.
Illustriert werden die Texte von den international preisgekrönten alpinen Schwarzweiss-Fotomontagen des Fotografen Alex Luczy. In unerwarteter Manier blendet er auf diesen etwa Kletterer und Kieselsteine zusammen oder Skitourenfahrer und Wolken. Ein Umstand, der zu verwirren mag, bei eingehender Betrachtung jedoch just dasselbe vermittelt wie die Anekdoten: einen Einblick in diese besondere – und so unterschiedliche – Beziehung zwischen Mensch und Berg. In dieser ergänzenden Einheit von Kopps persönlichen Geschichten und Luczys feinfühligen Fotomontagen ist ein Buch entstanden, das den Alpinismus abseits der Hochglanzspektakel der besten Kletterer an den schwierigsten
Wänden der Welt beleuchtet. Ein Buch für all jene, die sich nicht nur für technische Schlüsselstellen auf dem Weg zum Gipfel interessieren, sondern auch die kleinen, grossen, leisen, lauten, lustigen, melancholischen – immer wieder anderen– Erlebnisse am Berg suchen.